11. Juni 2021 – Nach anderthalb Jahren Corona-bedingter Onlinelehre entdecken Hochschulen nun neue Möglichkeiten für ihre Teilzeit-Studienangebote. Dabei taucht immer öfter der Begriff „Hybridunterricht“ auf. Doch – was ist das genau und was nicht?

  • Manche glauben, dass die seit Jahren üblichen Liveübertragungen aus dem Hörsaal oder Seminarraum „hybrid“ seien – das sind sie jedoch nicht.
  • Und gerade in der deutschsprachigen Presse wurde seit 2020 der in den Schulen pandemiebedingt eingeführte „Wechselunterricht“ immer wieder mit Hybridunterricht verwechselt. Diese Zuordnung passt also auch nicht.

Die Enzyklopädie Wikipedia hat daher vor kurzem dem Begriff „Hybridunterricht“ einen eigenen klärenden Beitrag gewidmet.

Gleich der erste Absatz stellt klar:

„Hybridunterricht bezeichnet eine Mischung von Online- und Präsenz-Lernformen. Hybridunterricht ist daher kein Wechselunterricht.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Hybridunterricht

Hierzu würde ich gern näher bestimmen, dass mit „Online-Lernformen“ tatsächlich nur Offline-Lernformen gemeint sein können, nämlich die mit asynchroner Kommunikation: Die Beteiligten sind nicht live miteinander verbunden, sondern arbeiten mit „on demand“ abrufbaren Lehrmaterialien, wo und wann auch immer, ganz nach Belieben.

Und mit „Präsenz-Lernformen“ können folgerichtig nur die Live-Events — also synchrone Kommunikation– gemeint sein, die je nach Umsetzungsmöglichkeiten online oder vor Ort stattfinden können. Da ist man halt dabei oder eben nicht… Und nur dieses geht eben tatsächlich zugleich live online und live vor Ort (wie der Wechselunterricht in der Welt der Schulen), sofern die Internetverbindungen solche vielfache synchrone Kommunikation überhaupt schaffen können.

Bezeichnet man bald alle Meetings als „hybrid“?

Hoffentlich nicht! Bei einem typischen Onlinemeeting (Beispiel: Dozentenkonferenz; Präsident plus Fachbereichsleiter in einem physischen Raum, vielleicht auch noch ein oder zwei Referenten, plus 200 Dozenten online dabei) sprechen wir auch nicht von “hybrid” — es heißt einfach Meeting, damals wie heute.

Auch Webinare (egal ob live oder on demand) sind nicht plötzlich hybrid geworden, nur weil mitunter zwei oder drei Menschen in einem Raum sitzen und die anderen Teilnehmenden online mit ihnen verbunden sind.

Beide Beispiele bezeichnen ja das Gleiche wie das, was in jenen Online-live-Unterrichtssituationen stattfindet (fälschlicherweise „Hybridunterricht“ genannt)Es ist schlichtweg synchrone Kommunikation, live übertragen; wie im Webinar, wie in jedem Onlinemeeting. Und womit wird es realisiert? Mit Meeting-Software.

Es sind diese auch keine unterschiedlichen Lernformen, die hybrid im bisher bekannten Wortsinn zusammenwirken (Selbststudium einzeln, Gruppenmeeting danach), sondern es bleibt bei einer normalen „Unterrichtsstunde“ live, vor Ort wie auch bei den Teilnehmenden online.

Alle hören zu, alle sehen zu und können sich zu Wort melden. Ein Meeting halt.

„Hybridunterricht“ ist folglich für diese parallel geschaltete Präsenz (synchrone Kommunikation live in einem Raum, zugleich live verbunden mit Online-Teilnehmer:innen) der falsche Begriff, denn es handelt sich nur um eine einzige Lernform (nämlich live), nicht jedoch um eine abwechselnde und insofern gemischte Verwendung von zwei Lernformen (offline & live).

Hybrid im Alltag

Schon aus der Automobiltechnik ist bekannt, dass hybrid angetriebene Fahrzeuge zwei Antriebsformen (Verbrenner- und Elektroantrieb) gemischt und zwar abwechselnd einsetzen, nicht aber gleichzeitig.

Vergleich: Hybridantrieb und Flipped Classroom

  • Wenn das Fahrzeug beschleunigt werden muss, kommt der Verbrennermotor zum Zuge – soll das Fahrzeug bei gleichbleibender Geschwindigkeit rollen, sorgt nahtlos der Elektromotor dafür.
  • Wenn grundlegender Input gegeben werden muss, werden vorproduzierte Lehrmaterialien erarbeitet und abgerufen – sollen mittels dieser Grundlagen nahtlos vertiefende Anwendungen erfolgen, sorgen die Lehrenden live dafür.

Die Didaktik des Flipped Classroom — an Hochschulen im deutschsprachigen Raum seit einiger Zeit als Inverted Classroom bezeichnet — leistet diese Mischung auf besonders strukturierte Weise: nämlich wirklich nur abwechselnd.

Inverted Classrom: Input selbst erarbeiten + Vertiefung in der Lehrveranstaltung = Hybridunterricht

Also nehmen die Lernenden erst vorproduzierten Input entgegen und bereiten ihn am besten aufgrund von Aufgaben / Tests schon mal auf — um ihn dann beim nächsten Meeting live (egal ob online oder vor Ort) mit Dozent:in und der Lerngruppe vertiefend zur Anwendung und Weiterentwicklung zu bringen.

Inverted Classroom bzw. Flipped Classroom ist also eine besonders hilfreiche Didaktik: Sie sorgt bei konsistenter Umsetzung für einen hybrid (aus zwei Kräften im Wechsel) gespeisten, kraftvollen Unterricht.

Flipped Classroom ist Hybridunterricht

Gerade für berufsbegleitend Studierende ist das Flipped-Classroom-Modell sehr attraktiv, denn sie können den Input der Lehrenden studieren, wann immer sie dies zeitlich einrichten können: „on demand“.

Zugleich schätzen sie auch den Austausch mit anderen Kursteilnehmer:innen und natürlich mit ihren Dozenten „vor Ort“.

Auch Vollzeitstudierende in Präsenzprogrammen mögen inzwischen diese Lehr- und Lernform, weil sie dabei in eigenem Tempo arbeiten sowie die Input-Lektionen bei Bedarf so oft wiederholen und durcharbeiten können, wie sie es selbst brauchen und wollen.

Mit dem umgedrehten Unterricht – immer erst sich selbst mit den angebotenen Lehrmaterialen schlau machen, dann in der nächsten Präsenzzeit an der Hochschule bzw. parallel online das Erarbeitete vertiefen und die Umsetzungskompetenzen schärfen – können Lernende leichter und intensiver ihre Lernziele erreichen.

Gleiches gilt für Teilnehmer:innen an beruflichen Weiterbildungskursen. Und durch diese hybride Vorgehensweise der Flipped-Classroom-Didaktik sparen alle Beteiligten zudem eine Menge Kosten und Zeit für Reisen und externe Übernachtungen.

Beste Gründe für eine Summerschool 2021 – online!

Für Dozent:innen ist der Sommer 2021 eine gute Zeit, das eine oder andere Lehrfach auf diese Didaktik umzustellen – ob ganz individuell oder gemeinsam mit anderen.

Die FlippedClassroom.Academy bietet daher in der vorlesungsfreien Zeit eine virtuelle, einzeln oder bei Bedarf auch in Gruppen realisierbare „Summerschool 2021“ an.

Wichtigster Punkt: es gibt auf alle Buchungen 25 (fünfundzwanzig!) Prozent Rabatt!

Freut sich auf Sie: Martin Gertler
Herzlich willkommen! Prof. Dr. Martin Gertler

Außerdem kann das Angebot des Crashkurses auch gern für Gruppen von Dozent:innen nutzbar gemacht und mit einer regelmäßigen Q&A-Onlinesitzung ergänzt werden. Anfragen dazu gern per E-Mail!

Zu den Angeboten